Das Gefangenen-Dilemma und wie wir kooperieren…

KI-generiertes Bild

Das „Gefangenen-Dilemma“ ist ein berühmtes Gedankenexperiment aus der Spieltheorie. Es wurde 1950 von den Mathematikern Merrill Flood und Melvin Dresher entwickelt und später von Albert W. Tucker populär gemacht. Es zeigt ein zentrales Problem menschlichen Entscheidens: Was ist für mich individuell am besten – und was wäre gemeinsam am sinnvollsten?

Sie erstellten folgende Situation: Zwei Verdächtige werden festgenommen. Die Polizei hat nicht genug Beweise für eine schwere Tat und verhört beide getrennt voneinander. Jeder Gefangene hat zwei Möglichkeiten: Schweigen oder Aussagen.

Die möglichen Folgen:

Gefangener AGefangener BErgebnis
SchweigtSchweigtBeide erhalten eine milde Strafe
VerrätSchweigtVerräter kommt frei, der andere erhält hohe Strafe
SchweigtVerrätUmgekehrt
VerrätVerrätBeide erhalten mittlere Strafe

Warum ist das ein „Dilemma“?

Rational betrachtet denkt jeder Gefangene:

  • „Wenn der andere schweigt, lohnt es sich für mich ihn zu verraten (ich komme frei).“
  • „Wenn der andere mich verrät, sollte ich auch ihn verraten (sonst bekomme ich die höchste Strafe).“

Das Ergebnis:
Beide verraten sich gegenseitig und erhalten eine mittlere Strafe. Doch:
Wenn beide geschwiegen hätten, wäre das Ergebnis für beide besser gewesen.

Das Dilemma: Individuell rationales Verhalten führt zu einem kollektiv schlechteren Ergebnis.

Was ist denn in der Realität die häufigste Entscheidung in einem solchen Dilemma?

Es gab schon viele laborexperimentelle Befunde, wie sich Menschen in solchen Situationen tatsächlich verhalten.

  • Menschen kooperieren oft deutlich häufiger, als es die rein „rationale“ Theorie vorhersagt. In vielen Gefangenendilemma-Experimenten kooperieren bis zu rund 80 % der Entscheidungen, selbst in einmaligen (one-shot) Spielen.
  • Das bedeutet, dass wir Menschen doch nicht so rationale und gewinnmaximierende Wesen sind, wie man denken könnte.

Was sind denn laut Experimenten Rahmenbedingungen, die Entscheidungen beeinflussen?

  • Wenn Kommunikation vorab möglich ist, steigt die Bereitschaft zu Kooperation oft erheblich.
  • Wenn Menschen lernen, das vertrauensvolle Interaktion sich wiederholt, steigt die Bereitschaft ebenfalls.
  • Individuelle Eigenschaften wie Altruismus, Denkfähigkeit oder Persönlichkeitsmerkmale haben Einfluss.
  • Größere Gruppen neigen dazu, schwieriger gemeinsame Kooperation zu erreichen, weil die Unsicherheit steigt, ob andere ebenfalls kooperieren.

Was bedeutet das für uns in den Organisationen und Teams?

+ Wir können davon ausgehen, dass es eine grundsätzliche Neigung zur Kooperation im Team gibt, die stärker ist, als die Neigung zur Gewinnmaximierung. Ich kann also darauf setzen, dass sich der Wunsch nach reiferen Lösungen durchsetzt.

+ Um für kooperative Lösungen zu werben, muss ich für einen ehrlichen Austausch über mögliche gemeinsam geteilte Gewinne herstellen. Diese müssen nicht monetär sein und können beispielsweise in besonderer Reputation, der Aussicht auf Entgegenkommen in der Zukunft oder einem Harmoniegewinn liegen.

+ Persönlichkeitseigenschaften lassen sich aus dem Verhalten in der Vergangenheit erschließen. Sie können, müssen aber nicht zwingend in der Zukunft ebenso gelten. Wenn es Sicherheit über das Abstimmen einer Gruppe und beruhigende Erfahrungen von Geschlossenheit gibt, entsteht bei fast allen Beteiligten ein kooperativeres Verhalten.

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